10.11.2025
Besinnungswort zum 01.11.2025
von Almut Ehrhardt
Die Geschichte von Josef ist noch nicht zu Ende. Letzte Woche hatte ich Ihnen von der Hungersnot erzählt, die nach 7 Rekorderntejahren den Mittleren Osten plagte. Durch Josefs Umsicht waren die Kornspeicher Ägyptens voll und es war sogar möglich, Getreide ins Ausland zu verkaufen. So kamen eines Tages auch Josefs Brüder nach Ägypten, um Getreide zu erwerben. Nur Benjamin war zu Hause geblieben. Weil Josef aber über Ägypten regierte, mussten alle Käufer zu ihm kommen, um ihren Kauf zu tätigen. So auch seine Brüder. Er erkannte sie sofort, das Herz schlug ihm sicher bis zum Hals, aber er ließ sich nichts anmerken. Sie verbeugten sich tief vor ihm. Erinnern Sie sich noch an den Traum, den Josef viele Jahre zuvor gehabt hatte, und der seine Brüder so erzürnte? Nun war es soweit, sie hatten sich tief vor ihrem kleinen Bruder verneigt. Allerdings erkannten seine Brüder Josef nicht, zum einen, weil er fremdländisch gekleidet war und zum anderen, weil sie ihn als Sklaven verkauft hatten, und nie hätten sie gedacht, dass Josef so ein mächtiger Mann geworden war. Josef wollte aber seine Brüder auf die Probe stellen, er wollte herausfinden, ob sie sich geändert hatten. Streng verhörte er sie und bezichtigte sie der Spionage. Durch geschickte Fragen bekam er heraus, dass sein Vater noch lebte und Benjamin beim Vater in Kanaan geblieben war. Und sie erzählten ihm, dass ihr Bruder Josef tot sei. Seine Brüder waren entsetzt über die Spionageanschuldigung und beteuerten ihre Unschuld. Josef forderte einen Beweis dafür: „Um eure Ehrlichkeit zu beweisen, bleibt einer von euch hier in Haft. Ihr anderen geht mit einer Ladung an Getreide zurück, damit eure Familien nicht mehr hungern müssen. Aber bringt mir euren jüngsten Bruder herbei! Dann weiß ich, dass ihr die Wahrheit gesagt habt, und lasse euch am Leben.« Die Brüder willigten ein. Sie sagten zueinander: »Jetzt müssen wir das ausbaden, was wir Josef damals angetan haben!« Sie ahnten nicht, dass Josef sie verstehen konnte, denn er hatte über einen Dolmetscher mit ihnen geredet. Josef verließ den Raum, damit sie nicht merkten, dass er weinen musste. Als er sich wieder gefasst hatte, kam er zurück und ließ Simeon vor den Augen der Brüder festnehmen. So reisten die Brüder zurück nach Kanaan und berichteten alles ihrem Vater. Jakob war verzweifelt: »Josef lebt nicht mehr, Simeon ist zurückgeblieben, und Benjamin wollt ihr mir auch noch nehmen! Nichts bleibt mir erspart! Nein«, rief Jakob, »es kommt überhaupt nicht in Frage, dass Benjamin mit euch geht! Sein Bruder Josef ist schon tot, und er ist der letzte von Rahels Söhnen. Ich bin ein alter Mann, und wenn ihm unterwegs auch noch etwas zustößt, würde mich das ins Grab bringen!« Die Hungersnot in Kanaan wurde jedochimmer drückender. Schließlich schickt Jakob seine Söhne erneut los, nach langem Zaudern und mit bangem Herzen lässt er Benjamin mit ihnen gehen. Jakob musste über seinen Schatten springen, als er Benjamin mit auf die Reise nach Ägypten schickte.Sicher hat er nächtelang mit sich gerungen, aber die Hungersnot war zu groß. Erinnern Sie sich an eine schwerwiegende Entscheidung in Ihrem Leben, zu der Sie sich durchringen mussten? Und wie fühlt es sich an, wenn dann eine Entscheidung getroffen ist? Vielleicht bietet dieses erste Novemberwochenende Zeit, darüber nachzusinnen.