10.11.2025
Besinnungswort zum 09.11.2025

von Almut Ehrhardt

Sind Sie schon gespannt, wie die Geschichte von Josef und seinen Brüdern endet? Jakob hatte die schwere Entscheidung getroffen, Benjamin mit den anderen Brüdern ein weiteres Mal nach Ägypten zu schicken, um noch einmal Getreide zu kaufen, denn die Hungersnot in Kanaan war sehr groß. Als die Brüder bei Josef ankamen, wurden sie sehr freundlich empfangen und zu einem Festmahl eingeladen. Auch Simeon, der als Pfand in Ägypten zurückgehalten worden war, empfing die Brüder mit Freude, ihm ging es sehr gut. Als Josef eintrat und zum ersten Mal seit vielen Jahren seinen kleinen Bruder Benjamin wieder sah, kamen ihm die Tränen. Er musste aus dem Raum laufen, denn seine Brüder sollten seine Tränen nicht sehen. Alle zusammen feierten ein festliches Mahl, aber Josef gab sich seinen Brüdern nicht zu erkennen, er hatte einen Plan. Am nächsten Morgen machten sich die Brüder mit den beladenen Eseln wieder auf den Heimweg. Kaum hatten sie das Stadttor erreicht, kam ihnen der Hausverwalter Josefs mit einigen Wachen nachgelaufen und hielt sie an. Der Verwalter stellt die Brüder zur Rede: „Wie konntet ihr so ein Unrecht tun und meinen Herrn bestehlen, wo er euch doch so freundliche behandelt hat?“ Die Brüder waren entsetzt: „Was redest du da? Wir haben kein Unrecht getan!“ „Das werden wir ja sehen!“ antwortete der Hausverwalter und begann die Säcke mit dem Getreide zu öffnen, und siehe da: Im Sack von Benjamin befand sich der wertvolle Trinkbecher Josefs. Triumphierend hielt der Hausverwalter das kostbare Gefäß in die Höhe und befahl den Wachen: “Nehmt ihn fest!“, „Die anderen können weiter heimziehen.“ Nun bekamen die anderen Brüder Panik, denn sie hatten Jakob hoch und heilig versprochen, Benjamin unversehrt wieder nach Hause zu bringen.Sie waren verzweifelt und beschlossen, ihren Bruder nicht im Stich zu lassen. Als sie vor Josef traten, warfen sie sich vor ihm auf den Boden. Josef klagte sie an: „Warum habt ihr das getan? Ich war freundlich zu euch, und ihr habt mich bestohlen! Ihr hättet wissen müssen, dass ich schnell den Schuldigen herausfinde! Euer jüngster Bruder wird mein Sklave, ihr anderen könnt gehen“ Josef wollte mit diesem Plan herausfinden, ob seine Brüder sich geändert hatten. Und tatsächlich trat Juda vor und erzählte die ganze Geschichte von dem Unrecht, dass sie Josef einst angetan hatten und dass sie ohne Benjamin nicht nach Hause zurückkehren würden, denn das würde Jakob ins Grab bringen. Juda bot sich an, anstelle Benjamins, als Sklave in Ägypten zu bleiben. Da konnte Josef sich nicht länger beherrschen. Er befahl seinen Dienern den Raum zu verlassen und begann laut zu weinen. Schließlich gab er sich seinen Brüdern zu erkennen: „Ich bin es, ich bin Josef! Ich bin euer Bruder. Ihr meintet es schlecht mit mir, aber Gott meint es gut zu machen.“ (1.Mose 50, 20) Josef bewies wahre Größe, er verzieh seinen Brüdern das großes Unrecht, das sie ihm angetan hatten. Im Rückblick auf sein Leben konnte er erkennen, dass Gott ihn auf Umwegen zum guten geführt hatte. Vermutlich ist niemand unter Ihnen, der von sich sagen kann, dass er von seinen Geschwistern als Sklave verkauft wurde. Aber ich nehme an, dass Sie alle schon eine Situation in ihrem Leben erfahren mussten, von der Sie sagen, da wurde mir unrecht getan. Nagt diese Erkenntnis noch in Ihnen und hegen Sie noch Groll gegen den oder die Menschen, die Ihnen das antaten? Könnten Sie je verzeihen? Was passiert mit dem Groll, wenn er nur in uns nagt? Er lässt uns wahrscheinlich verbittern. Lassen Sie diesen Groll gehen und schauen Sie auf das Gute in Ihrem Leben. Hat Gott Sie auch zum Guten geführt? Finden Sie es heraus. Das wünsche ich Ihnen an diesem Wochenende.