20.04.2023
Besinnungswort zum 23.04.2023

von Almut Ehrhardt

Almut Ehrhardt

Von den christlichen Festen ist Ostern das wohl am schwierigsten zu erklärende Fest. Weihnachten, ein Kind wird geboren, große Freude! Pfingsten, der Geburtstag der Kirche, salopp gesagt, die Firmengründung. Aber Ostern? Auferstehung von den Toten? Im Johannesevangelium wird uns die Geschichte von Thomas erzählt. Er war einer der Freunde Jesu. Als Jesus seinen Freunden das erste Mal erschien, war er nicht dabei. Als sie ihm freudestrahlend erzählten, dass Jesus ihnen begegnet war, dass Jesus auferstanden war, konnte er es nicht glauben. Er forderte einen Beweis.

Als ich Kind war, haben mich andere Kinder oft verspottet: Die glaubt an einen unsichtbaren Gott, der soll auch noch von den Toten auferstanden sein! Das geht ja gar nicht, dann war er eben nicht tot… In der Tat. Dass Jesus vom Tod auferstanden ist, ist das Geheimnisvollste an unserem Glauben. Da stand ich den Spöttern gegenüber und wusste keine Antwort, welche die anderen Kinder verstanden hätten. Ich ging zu meinem Vater und fragte ihn. Er gab mir eine Erklärung, die ich als Kind gut verstehen konnte: Es gibt so viele Dinge, die wir nicht sehen können, und die es trotzdem gibt! Und wir bezweifeln sie nicht, weil wir sehen, was sie bewirken.

Ein Beispiel: Der Wind. Wir können ihn nicht sehen, und doch gibt es den Wind. Keiner zweifelt daran. Wir sehen wie er die Blätter bewegt, manchmal entwurzelt ein Sturm ganze Bäume. Sie liegen dann auf der Straße oder noch schlimmer: auf einem Hausdach. Aber der Wind bewegt auch die bunten Drachen am Herbsthimmel und erfreut vor allem die Kinder. Wir sehen Dinge, die der Wind bewegt, aber den Wind selber sehen wir nicht. Es gäbe noch so viele Beispiele auf zu zählen…

Zurück zum Johannesevangelium, zu Thomas , dem ungläubigen Freund Jesu. Er sagt: Ich kann es erst glauben, wenn ich meine Finger in die Wundmale des Herrn gelegt habe. Wir sind also in guter Gesellschaft, wenn wir zweifelnd die Frage nach der Auferstehung stellen: Sogar einer der engsten Freunde Jesu zweifelte anfangs. Aber warum werden die Zweifel des Thomas in der Bibel überhaupt beschrieben? Warum kehrt man diese Begebenheit nicht einfach unter den Teppich. Es gibt doch kein gutes Bild nach außen, wenn man von den engsten Freunden Jesu solche Dinge erzählt?

Thomas sucht Vergewisserung. Nur scheinbar verlangt er mehr zu bekommen als das, was die anderen Jünger eine Woche zuvor sahen. Seine Forderung nach Berührung von Wundmalen und der Seite Jesu geht zwar über die erste Erscheinung hinaus, als die Jünger die Wundmale Jesu nur gesehen haben. Aber die zweite Erscheinung wird nicht so erzählt, dass Thomas seine vorherige Forderung ausführt und daraufhin zum Glauben käme. Als Jesus kommt, ist die Berührung nicht mehr nötig; schon auf die Einladung Jesu hin spricht Thomas das Glaubensbekenntnis: »mein Herr und mein Gott«. Jesus entspricht der Forderung des Thomas, ohne ihm einen Vorwurf zu machen. Thomas wird die Vergewisserung angeboten, nach der er verlangt hatte. Erst nach diesem Angebot erfolgt die Aufforderung, nicht ungläubig zu sein, sondern gläubig. Thomas wird also für seine Bedingung (»wenn ich nicht an seinen Händen die Male der Nägel sehe ...«) nicht kritisiert. Diese wird vielmehr ernst genommen als Station auf dem Weg zum Glauben, zu dem der Auferstandene den Jünger führt.

Auch die Worte Jesu: »Selig, die nicht sehen und doch glauben« sollen wir nicht als Tadel des Thomas auffassen. Diese Worte bekräftigen, dass der Glaube ein großes Geschenk Gottes an uns ist, das man annehmen kann. Nicht sehen und doch glauben – ist das zu viel verlangt? Nein, ich denke nicht. Wir sehen doch, was der Glaube an den Auferstandenen alles bewirken kann: Menschen bekommen Mut und neue Lebenshoffnung, sie werden froh. Der Glaube inspiriert(e) viele Menschen zu großartigen Kunstwerken in der Musik, Malerei, Bildhauerei…es ist wie mit dem Wind: man kann ihn nicht anfassen, sondern man sieht, was er bewirkt. Halleluja, der Herrist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!
Amen