01.07.2021
Besinnungswort zum 11.07.2021

von Pfarrerin Catherine Heckert, Gemeinde Goldlauter Heidersbach

Pfrn. Catherine Heckert
Pfrn. Catherine Heckert

Vor etlichen Jahren feierte ich das Hochzeitsjubiläum mit einem älteren Ehepaar. Jeder der Nachkommen sollte in der Ansprache bedacht sein und so nannte ich jeden der zahlreichen Kinder, Enkel und Urenkel beim Namen. Ich meinte, alles sorgfältig vorbereitet zu haben, doch hinterher fragte mich eine Tochter, wie ich es wagen könnte, ihren Namen so falsch auszusprechen. Es stellte sich heraus, dass ihre Eltern sie nie beim offiziellen Namen nannten und mir auch für die Feier den inoffiziellen Alltagsnamen genannt hatten. Ich lernte, Namen sind eine hochsensible Angelegenheit. Und da tut es auch nichts zur Sache, dass ich in diesem Punkt ganz unempfindlich bin. Von Kindesbeinen an bin ich es gewohnt, dass allein mein Vorname Catherine mit seinen mindestens vier Fehlerquellen nur selten richtig ausgesprochen, geschweige geschrieben wird. Der Name ist eine sensible Angelegenheit. Besondere Sorgfalt ist notwendig, wenn Namen erwähnt oder auch gerade nicht erwähnt werden sollen, die Aussprache und Schreibweise müssen genau bedacht sein, sonst entstehen schnell und unbedacht Verletzungen, die nicht sein müssen. Gott selbst hat uns als unser Schöpfer auch einen Namen gegeben, einen ganz eigenen, individuellen Namen. Und dieser Name reicht weit hinaus über unseren bürgerlichen Namen, den unsere Eltern uns gaben und der sich vielleicht nur durch eine Heirat verändert. Wenn Gott uns beim Namen ruft, meint er unser ganzes geschöpfliches Sein, so wie er es in diese Welt hineingesetzt hat. Er meint uns selbst in unserer Einzigartigkeit, unser Da- Sein und So- Sein. Im Wochenspruch für die kommende Woche spricht Gott uns zu: Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. (Jesaja 43,1) Gott ruft uns zu sich. Alles Trennende hat er beseitigt. Die Zäune zwischen ihm und uns hat er niedergerissen, die Gräben hat er zugeschüttet. Nichts trennt uns mehr von ihm. Wir können zu ihm kommen, er hat uns gerufen, bei unserem Namen. Wir sind sein! Das heißt, wir gehören zu ihm. Er fühlt sich für uns zuständig, auch für so manche Sorge oder gar Not, die uns bedrückt. Er wird Wege suchen und finden, die wir gehen können, wenn wir keinen Weg mehr wissen. Er gibt einen hellen Schein in unseren Geist, sodass wir wieder den Durchblick bekommen, wenn das Chaos in dieser Welt uns verwirrt und unseren Blick trübt. Er schenkt uns eine Freude, die uns tief im Inneren ausfüllt und uns ganz neue Kräfte verleiht. Er legt seinen Frieden auf uns, damit unser Herz Ruhe findet vor so manchem Sturm dieses Lebens. Er befreit uns von der Last der Vergangenheit, er nimmt uns die Furcht und zeigt uns den Weg in eine Zukunft mit ihm. Er ruft uns, bei unserem Namen, hören wir auf seinen Ruf, gehen wir zu ihm, denn wir sind sein! Darauf dürfen wir uns verlassen, heute, morgen und alle Tage unseres Lebens.