25.11.2021
Besinnungswort zum 1.Advent 2021

von Marlis Schmidt Evangelische Kirchengemeinde Suhl

Marlis Schmidt

Advent-Dem Licht entgegen

Nun stehen wir wieder am Vorabend zum 1. Advent und vor uns liegt eine der stimmungsvollsten Zeiten des Jahres, die im Weihnachtsfest gipfelt. Der lateinische Ausdruck für Advent, adventus domini -Ankunft des Herrn-, meint die Menschwerdung Gottes in der Geburt von Jesus Christus seinem Sohn, die jährlich zu Weihnachten gefeiert wird. Es gibt diese vierwöchige Vorbereitungszeit schon seit dem 16. Jahrhundert. In ihrem Ursprung war sie eine Zeit des Fastens, ähnlich dem Entbehren und Innehalten. Der Advent ist gewissermaßen der Vorgeschmack, die Ouvertüre. In der Hektik des Alltags vergessen wir leicht das Lebensgesetz, dass Vieles eine Wartezeit braucht, eine Ouvertüre, damit wir innerlich hinterherkommen. Gerade in unserer jetzigen Lage quälen uns Unsicherheiten und Fragen, wie wir Weihnachten feiern. Da finde ich die Adventszeit als wohltuende Unterbrechung des Alltags, manche trüben Gedanken hinter sich zu lassen, den Sorgen nicht die Wichtigkeit zu geben und mit der ersten Kerze die Lichtblicke zu sehen. Weniger auf das schauen, was nicht geht, sondern die Chance sehen, was jetzt drin ist. Das Heute feiern. Uns an der geschmückten Wohnung erfreuen, die Lieblingsgegenstände herholen, die Geborgenheit und Wärme schaffen, die vertrauten Lieder singen. Oft sehen wir dann die Dinge in einem anderen Licht. Denn jeder Adventssonntag erfährt eine Steigerung an Kerzen, an Impulsen für das Fest.Da sind noch die lieb gewonnenen Bräuche, wenn der Nikolaustag kommt oder am Sankt Barbara-Tag Kirschzweige geschnitten werden, um sich am Aufblühen zum Fest zu erfreuen. Sich Zeit zu nehmen für gute Musik, für einen lieben Menschen, für das Plätzchen backen und so alte Traditionen zu bewahren. Im Advent werden ja besonders die Sinne angesprochen. Mit dem Duft nach Gewürzen verbinden wir Kindheitserinnerungen an Zeiten der Entbehrung und Unbeschwertheit, des Staunens und Vorfreude als Kind. Der Duft der Erinnerung ist z. B. eingebacken in die Lebkuchen. Lebkuchen enthalten Gewürze, die uns und unserer Gesundheit guttun. Sie waren noch für meine Eltern nicht zuerst Leckerbissen, sondern waren Lebenskuchen. In der kalten Jahreszeit sollten sie helfen, zu überleben, durch die Gewürze, die das Herz stärken, den Atem frei halten, den Lebensgeist wecken. Die Adventszeit will uns einladen, zu verweilen, sich seinen Sehnsüchten zu widmen. Bei einer Tasse Tee und Kerzenschein seinen Gedanken nachzugehen oder den Wolken hinterher zu schauen. In sich hinein zu hören: Was tut mir gut, was beflügelt mich? Wovon möchte ich mich trennen, was loslassen? Im scheinbaren „Nichtstun“ zu neuen Kräften und Ideen zu kommen. Sich besser aufs Wesentliche konzentrieren zu können. Das zur Ruhe kommen kann mich öffnen für die positiven Signale meiner Umgebung, z.B. gebraucht zu werden als Großmutter, als Ehrenamtliche, als Gesprächspartner. Meine Lichtpunkte erkennen. Im Innehalten gelingt es mir besser , auf mich und meine Gedanken zu achten und auch den Anderen als Bereicherung wahrzunehmen. Die Sorgen und Nöte miteinander teilen, um zu spüren, dass wir gemeinsam warten auf Besserung in der Corona-Krise, das gibt Trost und Kraft zum Durchhalten. Der Anruf oder die E-Mail sind dann wahrhafte Lichtblicke. Auch die kleinen Dinge zu sehen, womit ich dem Anderen eine Freude machen und so meine Wertschätzung zeigen kann. Das schafft Nähe und Zusammenhalt. Sich und andere nicht im Stich zu lassen, jede Geste ein Lichtpunkt im Advent. Im immer stärker werdenden Licht des Advents mögen wir mit unseren Talenten und Begabungen, mit unserer Anteilnahme an menschlicher Not, die Welt ein Stück liebenswerter und friedlicher machen und die kleinen Wunder im Zusammenleben wieder wahrnehmen, daraus Hoffnung schöpfen. Denn zu Weihnachten kommt Gottes Liebe in die Welt. Lassen wir sie in unser Herz und uns verändern von dem, „der Heil und Leben mit sich bringt “, „der Heiland aller Welt zugleich “, der das Licht unseres Lebens sein will. Dass wir in der Adventszeit und zu Weihnachten so viele Kerzen anzünden, ist vielleicht das schönste Zeichen für Freude, für Liebe, für Zuwendung. Drum folgen wir den Worten des Propheten Jesaja: „Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt"